Übersichtskarte (anklicken zum Vergrößern)
Start an der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee, Ausgang Königsallee.
Wir tauchen empor aus dem Untergrund und wenden uns zunächst gen Osten Richtung Hofgarten.
Das prächtige Jugendstil-Gebäude
an der Königsallee Nr.1 wird 1907 als Kaufhaus TIETZ eröffnet
und leitet einen neuen Trend ein. Einkaufen soll nicht mehr allein aus
der schnöden Beschaffung lebensnotwendiger Waren bestehen, sondern
zu einem Event-Shopping aufgewertet werden, zur Sightseeing-Tour für
Flaneure mit dem nötigen Klimpergeld in der Tasche.
In heutiger Zeit sind weitere Trendsetter – auf der anderen Kö-Seite – hinzugekommen, z.B. die SCHADOW-ARKADEN, als überdachte Galerie mit Einzelläden, das Themenkaufhaus STILWERK und das Lifestyle-Center SEVENS, sowie jede Menge Edelboutiquen für die Haute Volée, rechts die Banken, wo man sich das nötige Kleingeld holen kann, in der Mitte der Kö-Graben.
Bis 1804 erstreckt sich hier die Stadtmauer mit einem von der Düssel gespeisten Stadtgraben.
Der heutige Prachtboulevard heißt früher Kastanienallee. 1815 kommt Düsseldorf unter preußische Herrschaft und ist ab 1824 Hauptstadt der Rheinprovinz. Im Revolutionsjahr 1848 wird hier der preußische König von einer aufgebrachten Volksmenge ausgepfiffen und mit Pferdemist beworfen.
Später – nach dem Scheitern der Revolution – haben die Stadtoberen nichts wichtigeres zu tun, als in Berlin beim Königshaus um Verzeihung zu bitten und als Wiedergutmachung die Kastanienallee in Königsallee umzutaufen. Dies geschieht im Jahr 1851.
Gegen Ende des 19.Jahrhunderts setzt eine stürmische Industrialisierung ein. Rasch vergrößert sich die Anzahl der Einwohner. 1882 wird die 100.000 Marke überschritten. Damit gehört Düsseldorf zu den Großstädten und entwickelt sich darüber hinaus zum „Schreibtisch des Ruhrgebiets“, wo z.B. die Stahlbarone von Rhein und Ruhr (s. Thyssen/Krupp-Hochhaus an der Hofgartenstraße) ihr Verbindungsbüro zur Politik unterhalten.
Im Januar 1932 kommt es im Parkhotel zu einer schicksalsschweren Zusammenkunft von westdeutschen Banken und Großkonzernen. Das Thema der Konferenz: Macht und Geld. Gastredner: ein gewisser Adolf Hitler.
Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer und setzt die Menschen in Bewegung, darunter viele Arbeitslose. Und während im Parkhotel die Rollläden herunterrasseln, erschallen immer wieder Rufe: „Nieder mit den Nazis! Hitler, das ist der Krieg“. Solange bis die Polizei nach bewährtem Muster für „Ruhe und Ordnung“ sorgt und eine Anzahl von Antifaschisten in den Keller der benachbarten Oper einsperrt.
Währenddessen erläutert Hitler vor dem erlauchten Publikum seine Ziele: Er verspricht den Anwesenden Flicks und Krupps, Thyssen und Mannesmann, die Zerschlagung der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung, verstärkte Rüstung und die Eroberung von neuem Lebensraum. Kein Wunder, dass bei derartigen Aussichten die versammelten Großindustriellen ganz glänzende Augen bekommen und die Nazi-Partei von nun an großzügig mit Geld unterstützen und salonfähig machen. Denn schon in Kürze werden sie mit reichhaltigen Aufträgen belohnt und können die Früchte ernten.
Ein anderer Imperator, der Franzosenkaiser Napoleon, ist übrigens 1811 nach Düsseldorf eingezogen, über die nach ihm benannte Kaiserstraße, die den Hofgarten nach Norden hin abschließt. Seine Absicht: Soldaten für den Russlandfeldzug zu rekrutieren.
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Düsseldorf, |
Angeblich soll hier der berühmte Ausspruch gefallen sein:
Doch in Wirklichkeit handelt es sich um eine Legende, denn das Zitat stammt aus einem Brief, den ein Staatssekretär Napoleons geschrieben hat und gemeint waren Chaos und Schlamperei ... wie in Paris. Doch die Düsseldorfer beherrschen schon damals die Kunst der schönen Worte und haben sich die Geschichte halt in ihrem Sinne zurechtgebogen. Heute würde man Marketing dazu sagen.
Wir wandeln ein Stück durch den Hofgarten, der 1769 als erster deutscher Volksgarten errichtet wird, ein Park, der nicht - wie sonst üblich - zur Exklusiv-Erlustigung des Adels und seiner Hofschranzen diente, sondern offen war für die Bürger dieser Stadt.
Der Stil ist nicht mehr wie im Barock durch französische Einflüsse geprägt, d.h. durch die exakt geometrische Ausrichtung der Anlagen, wodurch symbolisch die Unterwerfung der Natur durch den mit absoluter Macht regierenden Herrscher aufzeigt werden soll.
Denn Mitte des 18. Jahrhunderts setzt von England kommend eine Gegenbewegung ein. Danach soll die Natur nicht mehr zurechtgestutzt und unterjocht, sondern in einem natürlichen Zustand belassen und ästhetisch verfeinert werden. Zu den Stilmitteln gehören wellenförmige Geländeverläufe, ein bizarres System von Wasserläufen und ein verschlungenes Wegenetz, dass eine große Ausdehnung vorgaukeln soll.
An der Landskrone überqueren wir erneut die Heinrich-Heine-Allee, Richtung Altstadt, Grabbe-Platz.
Vor uns das Amtsgericht an der Mühlenstraße mit seiner bombastischen Monumentalfassade, ein Paradebeispiel von preußischer Einschüchterungsarchitektur und von wilhelminischem Größenwahn.
Gegenüber die St.Andreas-Kirche
im Barockstil, als Hofkirche des 1716 gestorbenen Kurfüsten Jan-Wellem,
enthält auch seinen Zinnsarg. In der Person Jan-Wellems verkörpert
sich die Blütezeit Düsseldorf. Statt Kriege zu führen, fördert
er die schönen Künste und macht Düsseldorf zu einem weltberühmten
Kulturzentrum. Leider bleibt die Ehe mit Anna Maria Luisa Medici kinderlos.
Beim Tode des Kurfürsten fällt Düsseldorf an die Wittelsbacher,
ein süddeutsches Adelsgeschlecht und wird zukünftig von Mannheim,
später von München aus regiert. (Mit bösen Folgen für
die Gemäldesammlung ... davon später.)
Links die Kunsthalle, ein klobiger Bau aus den sechziger Jahren, mit dem außen hervorstehenden "Ofenrohr". Damit wollte der Kunstprofessor Joseph Beuys einstmals frischen Wind in den etablierten Kulturbetrieb bringen.
Nicht alle Kunstwerke von Beuys haben die Wirren der Zeit überdauert. Die berühmte Fettecke in der Kunstakademie wurde z.B. von einer energischen Putzfrau durch Aufwischen vernichtet. Die Düsseldorfer schmunzelten, als sie es vernahmen. Weniger zum Lachen war dann allerdings der jahrelange Rechtsstreit, den ein Beuys-Schüler gegen das Land Nordrhein-Westfalen führte. Mit dem Argument, der große Meister hätte ihm das "Werk" zu Lebzeiten geschenkt, gelang es dem cleveren Prozess-Hansel schließlich 40.000 Mark Schadensersatz zu ergattern.

Foto: Ulrich Otte www.duesseldorf.de/touristik/bildarchiv/
Über die Neustraße geht es zur Bolkerstr.53, wo eine Gedenktafel verkündet: „Hier wurde Heinrich Heine am 17.Dezember 1797 geboren“.
Stimmt nicht ganz, denn der kleine Harry, so heißt er bei seiner Geburt, erblickt in einem Hinterhaus das Licht dieser Welt. Im letzten Krieg treffen Bomben das Haus und die Nazis, die vorher schon seine Bücher verbrannt haben, beseitigen die Trümmer.
Heinrich Heine, Düsseldorfs berühmtester Sohn, wird nicht nur von den Nazis gehasst. Auch bürgerlich konservative Kreise haben ihm bis heute seine lose Lästerzunge nicht verziehen, mit der er vor allem dumpfen Nationalismus und kleinkariertes Spießertum anprangert.
Seit 1831 ist Heinrich Heine gezwungen im Pariser Exil zu leben, da er in Preußen steckbrieflich verfolgt wird und seine Werke verboten sind. In "Das Buch Le Grand" beschreibt er seine Kindheitserinnerungen:
„Die Stadt Düsseldorf ist sehr
schön und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort
geboren ist, wird einem wunderlich zu Mute. Ich bin dort geboren und es
ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehen. Und wenn ich sage
nach Hause gehen, so meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin
ich geboren bin.“
Weiter Richtung Rathaus passieren wir die Neanderkirche, die etwas versetzt und unscheinbar im
Hinterhof angesiedelt ist. Es handelt sich um eine protestantische Kirche,
die unter der Regierungszeit des großen Kurfürsten Jan-Wellem
errichtet wurde.
Zu dieser Zeit herrscht in Düsseldorf ein relativ liberales Klima. Niemand wird wegen seiner Religion brutal unterdrückt. Protestanten (und sogar Juden) dürfen sich Gotteshäuser bauen, aber bitteschön etwas dezent im Hintergrund.
Der Name Neander geht auf
den norddeutschen Wanderprediger Johannes Neander zurück, der hier
in Düsseldorf eine Gemeinde gründet und gelegentlich in den Untergrund
abtauchen muss. Dabei predigt und singt er mit Vorliebe in den Kalkhöhlen
des nahe gelegenen Neandertals, daher der Name. Und heute ist dieses Tal
– auf Grund der Knochenfunde des Jahres 1856 – berühmter als Düsseldorf,
denn was ein „neanderthal-man“ ist, das weiß weltweit jedes Schulkind.
In die Mertensgasse biegen wir rechts ab. Hier gibt es ein kleines Geschäft mit scharfem Inhalt.
Der Laden in der Mertensgasse 25 ist der einzige, der noch den wirklich
echten Düsseldorfer Mostert verkauft, im Senftöpfchen aus Steingut,
wie es sich gehört.
An der Josef-Wimmer-Gasse erblickt die Düssel wieder das Tageslicht und wir entdecken eine symbolisch verschlungene Bronzeplastik des Bildhauers Bert Gerresheim. Sie wird 1988 zur 700jährigen Stadtjubiläum eingeweiht und zeigt - wie ein aufgeschlagenes Buch - Szenen aus der Geschichte Düsseldorfs.
Im Mittelpunkt, die Schlacht bei Worringen, wo ein gewisser Graf Adolf V. von Berg 1288 im Bündnis mit Kölner Bürgern und ausgebeuteten Bauern, den Erzbischof von Köln besiegt und danach einen Stützpunkt am Rhein gründet: das Dorf an der Düssel, als Zollstation am Rhein und als Tor zur großen, weiten Welt.
Am Burgplatz blicken wir
durch das Auge der Webcam auf den restaurierten historischen Schlossturm
und die Oberkasseler Brücke. Hier klicken, um ein aktuelles Foto abzurufen:
www.duesseldorf.de/cam
Der Schlossturm ist der einzige Überrest vom ehemaligen Düsseldorfer Schloss, das 1872 durch eine Feuersbrunst vernichtet wurde und nicht wieder aufgebaut wurde. Dieser schöne Platz ist für die Rheinländer das, was für die Italiener die Piazza ist: der Mittelpunkt der Stadt, wenn nicht sogar der Mittelpunkt der Welt.
Hier kann man nach Herzenslust essen und trinken, diskutieren und schwadronieren oder mit Eigenverpflegung auf der spanischen Treppe sitzen und den Sonnenuntergang genießen.
Und das Ganze auto- und abgasfrei. Bis 1993 befand sich an dieser Stelle eine lärmende Stadtautobahn, die mit dem Bau des Rheinufertunnels unter die Erde verbracht wurde; eine Sternstunde moderner Stadtarchitektur. Heute ist die Rheinpromenade eine der beliebtesten Flaniermeilen Düsseldorfs, die dem Wohnen in der Stadt neue Impulse gegeben hat.
Hinten im Norden der schiefe Turm der altehrwürdigen Lambertus-Kirche. Zahlreiche Legenden umranken dieses Wahrzeichen der Stadt. Wer ist schuld an der Misere: die Rache des Baumeisters oder gar der wütende Würgegriff des Teufels ? Nein, schlicht und einfach die verzogenen Holzbalken des Dachstuhls, der nach dem letzten Brand erneuert werden mussten. Innen drin gibt es, wie in den meisten Kirchen, viele wertvolle Sachen zu besichtigen, die aber nicht immer auf ehrliche Weise erworben sind, so z.B. die Gebeine des Stadtpatrons, des Heiligen St.Apollinarius. Am Ende des 14.Jahrhunderts werden diese von Herzog Wilhelm auf einem seiner zahlreichen Raubzüge in der Gegend von Remagen von braven Mönchen entwendet und ermöglichen es Düsseldorf, in der Folgezeit zu einem begehrten Wallfahrtsort aufzusteigen. Herbergen, Gaststätten und Souvenir-Verkäufer verdienen nicht schlecht und zeitweise gibt es bis zu 20 Altäre in der Kirche, an denen den Pilgern die Messe gelesen wird.
Stadteinwärts blicken auf ein eher unscheinbares weißes Gebäude an der Ecke Burgplatz
/ Marktstraße. Hier war früher die weltberühmte Düsseldorfer
Gemäldesammlung des Kurfürsten Jan Wellem untergebracht, von
der so gut wie nichts übrig geblieben ist. Denn um 1804 wurden die
Gemälde bei Nacht und Nebel nach München weggeschafft und können
heute in der alten Pinakothek bewundert werden. Die ehemaligen pfälzisch-bayrischen
Herrscher von Düsseldorf haben sie dorthin verlagern lassen, bevor
sie ihre rheinländischen Besitzungen an Napoleon verscherbelten, um
dafür von diesem zu Königen von Bayern ernannt zu werden. Übrig geblieben
sind nur noch 2 Rubensschinken, die so groß waren, dass sie nur schlecht
transportiert werden konnten und heute im Düsseldorfer Kunstmuseum
hängen.
Auch wir flanieren ein Stück
Richtung Süden bis zur Pegeluhr. Sieht wie eine Uhr aus und ist auch
eine; aber Obacht: 7.30 kann – je nach Blickwinkel - zwei Bedeutungen haben:
7 Stunden und 30 Minuten oder 7 ½ Meter über normal; gemeint
ist mit letzterem der Wasserstand des Rheins.
Bis 12 Meter kann er steigen, so hoch ist die Mauer. Erst dann würde die Altstadt überflutet. So weit ist es aber, nach dem Bau der Kaimauer noch nie gekommen, vielleicht auch deshalb, weil in Köln die Rheindämme nur maximal 11,50 m hoch sind. Und bevor die Hochwasserwelle Düsseldorf erreichen kann, wird Köln als Vorflutbecken genutzt und die Düsseldorfer stehen an der Kaimauer und stimmen den Karnevalshit an: "Do schwimmt ene Kölner..."
In unmittelbarer Nähe der Pegeluhr fließen übrigens - im Abstand von 300 Metern - der südliche und der nördliche Mündungsarm der Düssel in den Rhein.
Stadteinwärts an der Zollstraße sehen wir die historische Gaststätte EN DE CANON. Neben und über der Eingangstür sieht man noch die alten Hochwassermarken, aus der Zeit als die Stadt noch ungeschützt vor Überschwemmungen war. Hier zechte früher der Kurfürst Jan Wellem mit Kunstfreunden und Düsseldorfer Bürgern.
Das Standbild von Jan Wellem befindet sich um die Ecke auf dem Düsseldorfer Marktplatz. 1711 wird es dort aufgestellt und ist heute eines der berühmtesten Barockdenkmäler nördlich der Alpen. Vor 200 Jahren existiert noch kein Sperrgitter und kein Sockel. Das Reiterstandbild kann von Jugendlichen erklettert werden, so z.B. von dem jungen Harry Heine, der sich später in „Das Buch Le Grand“ an eine Episode aus seiner Kindheit erinnert.
Im Jahre 1806 sitzt er hier mit seinen Kameraden auf dem Denkmal und beobachtet beim Einzug der Franzosen, wie sich die Düsseldorfer Ratsherren „neue Gesichter“ angezogen haben und mit fliegenden Fahnen zu den Leuten Napoleons überwechseln.
Heutzutage
muss man sich nicht mehr selbst auf den Weg machen, um so etwas zu erleben.
Die Szene kann über eine Webcam live im Internet verfolgt werden
anklicken zum aktualisieren
Quelle: www.duesseldorf.de/cam
Ein architektonisches Juwel ist auch das Düsseldorfer Rathaus, ein barocker Backsteinbau mit Renaissancegiebeln
und vorgesetztem achteckigem Treppenturm. Man beachte vor allem die leichte
Asymmetrie der Giebelbögen, getreu der Devise: Nichts von Menschenhand
geschaffene ist vollkommen und überzogener Perfektionismus ist der
Tod jeder Architektur und das Ende der Menschlichkeit schlechthin.
Mit diesem Schlusswort beenden wir den kulturhistorischen Teil unserer Exkursion und wenden uns den leiblichen Genüssen zu. Auch davon hat Düsseldorf viel zu bieten und Probleme entstehen nur dann, wenn wir uns bei der Fülle von Alternativen nicht entscheiden können.
Foto: Ulrich Otte
www.duesseldorf.de/touristik/bildarchiv/